Aufstellungsarbeit mithilfe von Techniken aus dem Psychodrama

Für eine psychodramatische Aufstellung müssen erst die Komponenten der Konfliktsituationen definiert werden:

Welche äußere aktuelle Situation „triggert“? Welche Personen spielen dabei eine Rolle?
Welche inneren Überzeugungen und Kräfte werden wirksam (z.B. ein innerer Kritiker, ein ängstliches verletztes inneres Kind)?
Wo haben sie ihren Ursprung (z.B. abwertende Botschaften des Vaters)?

Dahinter steckt die Idee der 3 Ebenen:

– Wir habe etwas konflikhaftes in unser Kindheit oder Vergangenheit erlebt (z.B. strenger Vater).
– Wir haben die Anteile des Konfliktes in uns (z.B. in Form eines strengen inneren Kritikers oder verletzten inneren Kindes)
– Der Konflikt reinszeniert sich im aktuellen Leben (strenger Chef löst die alten Emotionen und Verhaltensmuster aus, wie z.B. Rebellion oder wehrloses Erstarren.

Die Komponenten des Konfliktes werden mit Stühlen im Raum positioniert wobei Abstand und Zugewandtheit der Stühle das emotionale Erleben verdeutlichen können (z.B. wer oder was sitzt mir im Nacken? Wer schaut weg?).

Die aufgebaute Szene repräsentierte das subjektive innere Erleben.

Es wird ein Dialog zwischen den aufgestellten Komponenten angeregt, wobei im geschützten Rahmen der Aufstellung bisher Unausgesprochenes, Verborgenes oder emotional Zurückgehaltenes Raum bekommen kann oder alte Verletzungen und Wunden versorgt werden können.

Wichtigstes Mittel bei der Durcharbeitung ist der Rollentausch.

Dieser ermöglicht einen Perspektivenwechsel und einen emotionalen Kontakt mit der Befindlichkeit der am Konflikt beteiligten Komponenten.

Was fühle ich in den einzelnen Rollen?
Welche Emotionen sind abgespalten nicht gelebt oder übermächtig?
Gibt es körperliche Reaktionen in den Rollen?
Wo gibt es Entwicklungs- und Veränderungspotential?
Wo kann eine Befriedung stattfinden?
Ist ein Vergebungsprozess möglich?
Wie verändert sich die Konfliktdynamik, wenn es mir gelingt ein verletztes, ängstliches „inneres Kind“ zu sichern und zu versorgen?
Was/wer bekommt einen anderen Platz in der Aufstellung?

Dieser Prozess bewirkt eine Veränderung von alten hinderlichen Überzeugungen, das innere Erleben einer aktuellen Konfliktsituation kann modifiziert werden, Ängste können abgebaut werden, psychosomatische Reaktionen können gebessert werden, der Handlungsspielraum wird erweitert.

Wichtig ist dabei nicht nur ein intellektuelles Begreifen, sonder ein hautnahes emotionales und körperliches Erleben von Entwicklung und Veränderung. Hierdurch werden auf der physiologisch Ebene neue Neuronennetzwerke ausgebildet, die alte Netzwerke überschreiben können.

Selbsterfahrungsgruppen mithilfe von Techniken aus dem Psychodrama

Vorteil der Gruppenarbeit ist die Erweiterung des begrenzten Erfahrungsraumes in der Einzelberatung durch die Begegnung mit anderen Menschen in einem geschützten Gruppensetting.

Hier können die vorhandenen Erlebens-, Verhaltens- und Beziehungsmuster im Kontakt mit den anderen Gruppenmitgliedern direkt beobachtet und mithilfe von psychodramatischer Aufstellungsarbeit und frei improvisierten Rollenspielen modifiziert werden. Im Kontakt mit anderen Menschen kann Vertrauen und Selbstvertrauen gefördert werden, es gibt die Möglichkeit von korrigierenden Beziehungserfahrungen.

Hilfreich ist das Erleben von Solidarität in der Gruppe, das gute Gefühl mit dem Problem, nicht alleine zu sein! Hilfreich bei der Problembewältigung ist das kreative Potential der Gruppe und die Kompetenzen der einzelnen Gruppenmitglieder.

Die psychodramatische Technik ermöglicht uns einen Erlebnis- und Erfahrungs orientierten Veränderungsprozess.

Dies kann im Rahmen einer Aufstellungsarbeit erfolgen aber auch in frei improvisierten Rollenspielen:

Aufstellungsarbeit:

Die Sitzung beginnt mit einer sogenannten „Anwärmphase“, in der es darum geht, aufgelockert zu werden und in gutem Kontakt mit sich und mit den anderen Gruppenmitgliedern zu sein.

Es folgt eine „Findungsphase“, in der es darum geht, durch soziometrische Methoden ein Thema zu finden, welches die meisten Gruppenmitglieder interessiert/berührt und für dieses Thema einen „Protagonisten“ zu finden.

Der sogenannte „Protagonist“ repräsentiert aufgrund der eigenen Lebensumstände oder Befindlichkeit das von der Gruppe ausgewählte Thema. Es geht somit nicht um Einzeltherapie in der Gruppe sondern um die Bearbeitung eines Themas, welches möglichst viele in der Gruppe betrifft.

Der Protagonist hat die Möglichkeit das Thema aufzustellen. Er wählt Gruppenmitglieder in die Rolle von Personen/Instanzen, die in seinem Leben bezüglich des Themas eine Rolle spielen oder gespielt haben. Er hat bei der Aufstellung die Möglichkeit Distanz und Zugewandtheit durch entsprechende Positionierungen auszudrücken.

In einem kreativen Prozess (der Dialog und Handlung beinhaltet) wird gemeinsam versucht, neue Lösungsmöglichkeiten für das problembehaftete Thema zu finden.

Wichtigstes Hilfsmittel ist dabei der Rollentausch, der es ermöglicht, sich in die Position des Gegenübers einzufühlen und somit das eigene Handeln aus einer anderen Rolle/Perspektive zu betrachten. Im geschützten Rahmen kann bisher Unausgesprochenes verbalisiert werden, Probehandlungen können erkundet werden.

Die letzten Phase der Gruppensitzung ist das „Sharing“.

Das „Sharing“ bietet Raum für ein Rollenfeedback (Wie habe ich mich in der mir zugewiesenen Rolle gefühlt? Welche Impulse habe ich gehabt? Was habe ich nicht aussprechen können?)
Das „Sharing“ bietet Raum für das Ansprechen von eigenen Erfahrungen mit dem behandelten Thema.
Nicht erwünscht sind an dieser Stelle Ratschläge oder Kommentare.

Frei improvisiertes Rollenspiel:

Wir leben Zeit unseres Lebens in Systemen.

Unsere Ursprungsfamilie war ein System, unsere jetzige Familie ist ein System, unsere „Arbeitsfamilie“ ist ein System, unsere verschiedenen inneren Anteile bilden ein System, auch die Selbsterfahrungsgruppe ist ein System.

Wir tendieren dazu, in Systemen bestimmte Rollenmuster zu übernehmen, diese werden v.a. in der Ursprungsfamilie gelernt (z.B. derjenige, der für alles Verantwortung übernimmt).

Jedes Rollenmuster hat Vor- und Nachteile.

Problematisch ist, wenn wir nur ein bestimmtes Rollenmuster beherrschen und nicht in der Lage sind, umzuschalten, nicht in der Lage sind, das Rollenmuster zu wechseln, wenn es erforderlich ist.

In der psychodramatische Selbsterfahrungsgruppe besteht die Möglichkeit, sich als Gruppe ein fiktives System (das kann „Bauernhof“, „Saloon im wilden Westen“ oder „Urwald“ sein oder ein altes/modernes „Märchen“) vorzunehmen.

In diesem System kann sich jeder eine neue, vielleicht bis dahin abgelehnte oder angstbesetzte Rolle wählen.

Aus der Rolle heraus wird mit den anderen Gruppenmitglieder frei improvisiert.

Im Schutze dieser Rolle kann mithilfe von gezielten Interventionen des Gruppenleiters eine neue Erfahrung und Entwicklung gemacht werden.

Welche Potentiale traue ich mich nicht zu leben, was passiert, wenn ich es versuche? Die Gruppe bietet den notwendigen Schutzraum!

Das darf bei allem ernsthaftem Hintergrund auch richtig Spaß machen!